An den Mistral

Ein Tanzlied

Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb' ich dich!
Sind wir Zwei nicht eines Schoßes
Erstlingsgabe, eines Loses
Vorbestimmte ewiglich?

Hier auf glatten Felsenwegen
lauf' ich tanzend dir entgegen,
tanzend, wie du pfeifst und singst:
der du ohne Schiff und Ruder
als der Freiheit freister Bruder
über wilde Meere springst.

Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken -
heil, wer neue Tänze schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen,
frei - sei unsre Kunst geheißen,
fröhlich - unsre Wissenschaft!

Und daß ewig das Gedächtnis
solchen Glücks, nimm sein Vermächtnis,
nimm den Kranz hier mithinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
stürm' empor die Himmelsleiter,
häng ihn an den Sternen auf!

von Friedrich Nietzsche